Das Problem der Allokation

Prozesse, die mehrere Endprodukte gleichzeitig als Ergebnis haben (Koppelproduktion), werfen bei der Erstellung ökologischer Bilanzen einige Probleme auf. So ergibt sich auch beim gleichzeitigen Abbau von PGM und anderen Metallen die Schwierigkeit, die bei den verschiedenen Prozessen entstehenden Umweltbelastungen auf die einzelnen Produkte zu verteilen. Dabei wird auch zwischen Haupt- und Koppelprodukten unterschieden.

Die Aufteilung der Umweltbelastungen bei einem Prozess auf die einzelnen Produkte nach einem, wie auch immer gearteten, Verteilungsschlüssel wird als Allokation bezeichnet.

Dabei sollten die physikalischen und technischen Abhängigkeiten berücksichtigt werden. Nach einer Veröffentlichung des Öko-Institut e.V zum Thema "Bilanzierung der Umweltauswirkungen bei der Gewinnung von Platingruppen-Metallen für PKW-Abgaskatalysatoren" kommen als Verteilungs-Maßstab mehrere Parameter in Frage:

Masse:Wenn ein direkter Zusammenhang zwischen dem Gewicht der Produkte und den Umweltbelastungen besteht, bietet sich eine Aufteilung anhand der Masse an. Zwischen Haupt- und Koppelprodukten wird dabei nicht unterschieden.

Die Aufteilung anhand der Masse bietet sich hier jedoch nicht an, da die PGM gerade auf Grund ihrer geringen Konzentration einen aufwendigen Herstellungsprozess erfordern.

Molmengen- und massen: Bei chemischen Reaktionen kann die Allokation auch anhand einer auf der Stöchiometrie basierenden Aufteilung erfolgen.

Energiegehalt: Eine Aufteilung der Umweltbelastung anhand des Brennwertes der einzelnen Produkte kann bei der Analyse von Energieketten angewendet werden. Es besteht jedoch in der Regel kein direkter Zusammenhang zwischen dem Energiegehalt und der Schadstoffbelastung.

Konzentrationen: Beim Erzabbau kann der Aufwand durch die unterschiedliche Konzentration der Erze im Muttergestein schwanken. Hier kann eine Allokation nach dem Erzgehalt erfolgen.

Szenarienbedingte Gutschriften (Äquivalenzsysteme):Teilweise wird ein System als Ersatz für ein anderes betrachtet. Dabei wird die Differenz zwischen den Umweltauswirkungen des alten und des neuen Systems als Maßstab genommen. Dabei hängt das Ergebnis nicht nur vom betrachteten, sondern auch vom zu ersetzenden System ab.

Produktpreise: Sollen die Auswirkungen stärker auf die Produkte mit großer wirtschaftlicher Bedeutung verteilt werden als auf Koppelprodukte, können die Marktpreise als Maßstab für die Nachfrage benutzt werden. Dabei geht man davon aus, dass die Produktion hauptsächlich wegen der teureren Produkte betrieben wird und der Verkauf der Nebenprodukte nur eine untergeordnete Bedeutung hat.

Konvention: Die Aufteilung kann beim Fehlen anderer geeigneter Maßstäbe auch nach festgelegten, offiziellen Konventionen vorgenommen werden.

Keine Aufteilung: Wenn die Koppelprodukte auch als Abfall betrachtet werden können, ist es auch möglich, die Umweltbelastungen ganz dem Hauptprodukt zuzuordnen.

In der o.g. Veröffentlichung des Öko-Instituts wurde nach den Produktpreisen alloziert. [Hochfeld-1997]



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